Wir alle machen Fehler.

Sie. Ich. Die Menschen um uns herum.

Wir alle verhalten uns mal auf eine Art und Weise, die anderen nicht gefällt. Die andere verletzt. Das bleibt im Zusammenleben mit anderen Menschen nicht aus.

Natürlich gibt es hierbei große Unterschiede in der Intensität der Verletzung und des Schmerzes, der dabei entsteht.

Es gibt Dinge, die können Sie relativ schnell abhaken, dann wieder solche, an denen Sie Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte festhalten.

Ich selbst habe nach der Trennung von einem langjährigen Partner – aus verschiedensten Gründen – in genau dieser Sackgasse gesteckt…

Ich hatte mir im Laufe der Jahre eine Vielzahl an sehr starken (und teilweise extremen) Verletzungen in dieser Beziehung zugezogen. Am Ende war ich daher voller Schmerz, aber auch Wut und ähnlichen starken Gefühlen…

Es gab aber Umstände, aufgrund derer ich weiterhin mit diesem Menschen Kontakt hatte, ja haben musste. Ich konnte also nicht einfach einen Schlussstrich ziehen und sagen „Den sehe ich jetzt nie wieder.“.

Wie sah die Lösung aus?

Zuerst habe ich gekämpft. Den anderen bekämpft. Aber irgendwie wurde es dadurch nicht besser.

Daher habe ich irgendwann begonnen, den anderen loszulassen… Meinen Schmerz anzuschauen, ihn zu würdigen – und auch ihn dann loszulassen.

Heute – Jahre später – habe ich diese negativen Gefühle von einst nicht mehr.

Und ich kann mich jetzt dieser Person gegenüber in einer Art und Weise verhalten, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Habe ich dem anderen verziehen? Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht.

Wenn man verzeihen definiert als „Ich heiße Dein Verhalten nicht gut und werde es auch nie gut heißen, aber ich bin nicht länger bereit, aufgrund Deiner vergangenen Taten weiterhin Schmerz zu erleben“ – ja, dann habe ich ihm wohl verziehen.

Aber ganz wichtig hierbei: Ich habe es aus Liebe zu mir selbst getan. Nicht für den anderen.

Ich wollte andere Gefühle FÜR MICH.

Ich wollte den Schmerz, die Wut, die allesamt auf der Vergangenheit basierten, endlich hinter mir lassen. Dadurch konnte ich loslassen, wachsen und immer stärker werden.

Verzeihen – ein Weg mit vielen Schritten

Verzeihen geht oftmals nicht von heute auf morgen. Es bedarf vieler kleiner Schritte, je größer die Verletzung, desto mehr.

Folgende Gedanken und Fragen hatte ich in jener Zeit. Und da sie so heilsam für mich waren, möchte ich sie hier und jetzt gern mit Ihnen teilen:

  • Was erreichen Sie damit, wenn Sie Ihren Schmerz weiterhin festhalten?
  • Für Ihre Gefühlswelt? Ihren Körper? Für Ihre Fähigkeit, wieder auf andere Menschen mit offenem Herzen zuzugehen?
  • Glauben Sie tatsächlich, Sie könnten den anderen damit bestrafen? Damit, dass Sie ihn bekämpfen, ihn ignorieren, ihm Ihre Liebe entziehen?
  • Welchen Preis zahlen Sie für Ihren Groll und all die anderen negativen Gefühle?

Wenn Sie Sie Ihren Schmerz, Ihre Wut oder was auch immer Ihre vordergründige Emotion ist, festhalten, schaden Sie damit nur sich selbst, nicht dem anderen (was Sie aufgrund von Karma, wenn Sie denn daran glauben, vielleicht auch nicht anstreben sollten).

Sie sind der einzige Mensch, den Sie mit dieser Art zu denken und zu empfinden, bestrafen.

Wollen Sie damit wirklich weitermachen?

Verharren in der Opferrolle

Sich hin und wieder als Opfer zu fühlen gehört – glaube ich – zum Menschsein dazu.

Problematisch kann es werden, wenn man sich in der Opferrolle einrichtet und sich daran „festkrallt“.

Es ist ein Einfaches, mit dem Finger auf einen anderen Menschen zu zeigen und zu sagen „Du hast mir das und das angetan.“.

In der Opferrolle zu verharren ist eins der einfachsten Dinge der Welt. Daher machen es auch so viele Menschen.

Sie geben ihre Verantwortung ab und richten sich in ihrer Opferrolle ein.

Das ist kein Zeichen von Stärke.

Und verändert das irgendwas zum Positiven? An Ihrer Gefühlswelt? An Ihrer körperlichen Verfassung? An Ihrer Beziehung zu sich und zu anderen Menschen?

Nein!

Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken. Mahatma Gandhi

Entscheiden Sie sich – für oder gegen die Opferrolle

Es mag sich komisch anhören, aber wenn Sie genau das wollen (in der Opferrolle bleiben), dann machen Sie es, wenn Sie momentan nicht anders können. Das ist völlig ok, vielleicht brauchen Sie einfach noch Zeit.

Aber entscheiden Sie sich BEWUSST dafür. Genießen Sie das Gefühl, Opfer zu sein und dann – lassen Sie es los. Sie werden schon wissen, wann der Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Sie müssen das Verhalten des anderen nicht gutheißen. Aber machen Sie sich bewusst, dass Sie jedes Mal neuen Schmerz erleiden, wenn Sie die alte Situation nicht loslassen. Den anderen nicht loslassen.

Lernen Sie zu verzeihen. Als allererstes sich selbst.

Dass Sie damals nicht anders gehandelt haben. Sich nicht besser geschützt haben. Sich selbst nicht so wertgeschätzt hast wie Sie es heute (hoffentlich) tun.

Der gegenwärtige Moment

Machen Sie es heute anders. Sie tragen alles, was Sie zu einem glücklichen Leben voller Freude und Liebe brauchen, bereits in sich. Jetzt in diesem Augenblick.

Daher richten Sie den Blick auf den gegenwärtigen Moment.

Wenn noch Schmerz da ist, nehmen Sie ihn an. Und verzeihen Sie sich.

Wenn Sie sich verzeihen können, dann können Sie irgendwann auch dem anderen verzeihen.

Nicht, weil Sie seine oder ihre Taten gutheißen. Sondern weil Sie heute – in der Gegenwart – keine Schmerzen mehr aufgrund seiner oder ihrer negativen Handlungen erleiden wollen.

Und wenn Sie es sich heute vielleicht noch nicht vorstellen können, der anderen Person zu verzeihen: Glauben Sie mir, es ist möglich. Daraus entwickeln Sie wahre Stärke.

Lassen Sie los. Verzeihen Sie. Aus Liebe zu sich selbst. ❤️

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