Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst.

Ich kann eine ganz schön anstrengende Partnerin sein.

Ich bin eine sehr hilfsbereite Kollegin. Eine sehr loyale Freundin. Und – wie ich zumindest regelmäßig von meinen Klienten zurückgemeldet bekomme – eine sehr unterstützende und einfühlsame psychologische Begleiterin.

Aber: Mein Partner hat es manchmal nicht ganz leicht mit mir (ich danke meinem Ehemann ganz herzlich an dieser Stelle für seine Liebe und auch seine Geduld, die er manchmal aufbringen muss).

Denn wir alle haben unsere Ecken und Kanten. Unsere Stärken und Schwächen. Da bin ich wie jeder andere Mensch – eben wie Sie.

Viele Menschen – vielleicht sogar die meisten – begehen meiner Meinung nach am Anfang einer Beziehung einen großen, um nicht zu sagen Kardinalsfehler: Sie zeigen sich von ihrer besten Seite.

Sie denken jetzt vielleicht „Was ist denn daran schlecht??“.

Nichts dem Grunde nach.

Aber: Entweder ist man irgendwann total enttäuscht von seinem Gegenüber oder total unglücklich mit ihm/ihr.

Woran das liegt?

Ganz einfach: Wenn Sie jemandem nur Ihre besten Seiten zeigen, dann gaukeln Sie ihm etwas vor. Andersherum gaukelt der andere auch Ihnen etwas vor, wenn er sich ähnlich verhält.

Es ist nicht so, dass Sie den anderen anlügen oder er Sie – aber Sie lassen zu Beginn Ihrer Beziehung etwas Entscheidendes weg:

Die Dinge, die Sie an sich nicht mögen. Auf die Sie nicht stolz sind. Wegen derer Sie sich vielleicht sogar etwas schämen. Und Ihr Gegenüber macht das vielleicht auch.

Was ist die Konsequenz?

Da verbinden sich dann eventuell zwei Menschen, die nur die Hälfte voneinander kennen. Und die – wie ich finde – entscheidende Hälfte einfach weglassen.

Denn spätestens wenn sich die ersten ungeliebten Eigenschaften zeigen, verändert sich die Beziehung. Viele kommen später rückblickend auf die Idee zu sagen „Mein Partner hat sich im Laufe der Zeit verändert und dann passte es einfach nicht mehr.“.

Vielleicht stimmt das. Wenn er sich in eine andere Richtung weiterentwickelt hat oder äußere Lebensereignisse ihm eine gravierende Änderung abverlangt haben.

Aber ich erlebe es immer wieder, dass Menschen sich zusammentun, die von außen betrachtet gar nicht zusammen passen – weil ich als Betrachter all ihre Facetten kenne. Die hellen wie die vermeintlich dunklen.

Was mich zum meines Erachtens zweitgrößten Fehler bringt: Viele wollen sich ändern, um die Beziehung zu diesem Partner aufrechtzuerhalten. Wollen „an sich arbeiten“.

Was so positiv motiviert klingt, ist aber oft ein Verbiegen. Ein „sich-zurecht-biegen-für-den-anderen“.

Kann daraus Glück entstehen? Freude? Ein gesundes, harmonisches Miteinander?

Wohl eher nicht… Vielleicht einseitig, wenn nur einer das Gefühl hat, sich verbiegen zu müssen (meistens sind aber beide nur begrenzt glücklich damit).

Ein guter Freund hat mir dazu mal seinen persönlichen Dating-Tipp gegeben: Er fragte seinerzeit die Damen nach ihren drei schlechtesten Eigenschaften.

Was vielleicht kurios klingt, hatte aber einen gut nachvollziehbaren Grund: Er wollte damit hinter die Sonnenscheinfassade seiner zukünftigen Partnerin schauen. (und natürlich sind sie über das Gespräch auch zu seinen drei schlechtesten Eigenschaften gekommen).

Und was soll ich sagen: Er ist mittlerweile glücklich verheiratet und Vater einer süßen Tochter. 🙂

Was in diesem Kontext für Liebesbeziehungen gilt, lässt sich aber auch auf andere Arten von Beziehungen übertragen. Ob auf Freundschaften oder auch auf die Kollegen bei der Arbeit.

Vielleicht würden Sie noch mehr Menschen mögen, wenn Sie noch mehr diese oder jene Eigenschaft hätten. Und von der und der Eigenschaft weniger. Vielleicht aber auch nicht.

Mein geliebter Mathe- und Physiklehrer (auch wenn ich mit beiden Fächern nichts anfangen konnte) hat mal zu mir gesagt „Claudia, denke immer daran: Allen Menschen zu gefallen ist unmöglich.“ Wie Recht er doch hatte – auch wenn ich lange gebraucht habe, um das zu erkennen und leben zu können! (Und auch ich kann es nicht immer und jederzeit leben, aber wie ich eingangs schon sagte: Auch ich bin nur ein Mensch.)

Wenn ich meinen Ehemann necke oder ihn vielleicht auch mal mit meiner Energie „überrolle“, sage ich ihm „Denk immer dran – Du hättest auch langweilig haben können!“ 😉

Also: Trauen Sie sich, Sie selbst zu sein. Es wird immer genug Menschen auf diesem Planeten geben, die Sie mögen werden. Die Sie lieben werden. Mit denen Sie eine gute, freudvolle Zeit zusammen haben – auch oder gerade weil Sie sind wie Sie sind.

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